Ciao Italien - warum wir Kalabrien veralssen
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Ciao Italien: Warum wir Kalabrien verlassen

Tatsächlich hat mein letzter Beitrag einige Leser auf die falsche Fährte geführt. Nein, San Nicola Arcella wurde nicht unsere Homebase. Heute verrate ich Dir, warum wir Italien verlassen haben und wie es weitergeht.

Warum die Freilerner-Community nichts für uns ist

Ich hatte es bereits angedeutet. Es kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass die Community nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach.

Dadurch, dass wir viele Stunden zusammen mit den Kindern im sogenannten Kinderspace verbrachten, hatte ich kaum mehr Zeit zu arbeiten. Meistens schrieb ich meine Texte ab 15 Uhr. YouTube spielte mal wieder Babysitter. Gerade dieser Punkt sollte durch Gemeinschaft gelöst werden.

Aber die Gemeinschaft befand sich im Nachbarort. Den konnte ich ohne Auto nur schwer erreichen. Das hätte sich alles regeln lassen, hätte ich nicht von Anfang an ein merkwürdiges Bauchgefühl gehabt. Zum Ende November startete eine schier unaufhörliche Welle an Tiefschlägen. Eine Familie nach der anderen reiste ab. Die Gründe dafür waren vielfältig. Im Endeffekt saßen ab Mitte Dezember nur noch die Gründerfamilie und eine andere alleinerziehende Mutter zusammen mit uns in Süditalien.

Ich fühlte mich unverstanden

Ich fühlte mich zunehmend unwohl. Das lag auch daran, dass kaum Verständnis für meine Berufstätigkeit herrschte. Nur weil ich von Zuhause arbeite, bedeutet das nicht, dass ich viel freie Zeit habe.

Mir ist in letzter Zeit öfter aufgefallen, dass Menschen denken, wir hätten ein super freies, lockeres Leben. Aber Leute, ich bin alleinerziehend und allein verdienend. Ich bekomme weder vom Staat noch vom Kindsvater finanzielle Unterstützung. Normalerweise arbeite ich sieben Tage pro Woche. Dazu versorge ich meine vierjährige Tochter, die bisher keinen Kindergarten etc. besuchte.

Manchmal macht es mich wütend, wenn Leute nicht sehen, dass ich hart arbeite. In den letzten Jahren habe ich so viele Reisende getroffen. Von denen schafft es kaum jemand, sich ein gut laufendes online Business aufzubauen. Bisher habe ich keine einzige alleinerziehende digitale Nomadin getroffen, die das erreicht hat. Keine einzige.

Aber dafür arbeite ich viel. Ja, ich arbeite auch gern. Ich mache viele Abstriche. Meistens macht mir das aber tatsächlich nichts aus. Solange der Tag läuft, die Kleine und ich fröhlich sind, bin ich zufrieden.

Ich war im letzten Jahr einmal abends tanzen – zusammen mit meiner Tochter. Alleine feiern war ich das letzte Mal 2014, wenn man von einem Klassentreffen im Jahr 2016 absieht. Okay, ich schweife ab.

Glücklicherweise ergab sich die Option, dass der Kindsvater (das Wort habe ich aufgeschnappt und lieb gewonnen) uns für zwei Monate besuchen konnte. Er wohnte mit uns zusammen in einem schönen Apartment. Das war hilfreich aber auch anstrengend. Man merkt schnell, warum man kein Paar mehr ist.

Rückzug aus der „Gemeinschaft“

Ich zog mich immer mehr aus der verbliebenen Gemeinschaft zurück. Irgendwann gestand ich mir ein, dass das Projekt für mich nicht richtig ist. Meine Beweggründe für unseren Lebensstil waren irgendwie anders, als die der restlichen Menschen, die ich vor Ort kennenlernen durfte. Die meisten anderen Familien wollten eigentlich überhaupt nicht weg aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Tatsächlich scheint es unzählige Familien in Europa zu geben, die auf der Flucht sind. Diese Familie wollen ihre Kinder entweder nach dem Prinzip des freien Lernens aufwachsen sehen, nicht impfen oder beides. Auch ich liebäugle mit der Idee des „Unschooling“, geimpft sind wir sowieso nicht. Aber wir mussten nicht unsere Heimat verlassen – wir (oder besser ich) wollte das. Schon vor Kind. Schon vor Impflicht. Die Welt ist mein Zuhause, ich bin nicht auf der Flucht.

Die Familien und ich, wir hatten Schnittpunkte, aber in weniger Punkten, als mir lieb waren. Wir verstanden uns gut, wir passten nicht zusammen. An einem Tag im Dezember beschloss ich, Nägeln mit Köpfen zu machen. Ich unterrichtete Simone, die Gründerin der Gemeinschaft, dass ich aussteigen wollte. In meinen Kopf war ein wildes Durcheinander. Wohin sollten wir gehen?

Wohin führt die Weiterreise?

Was für ein Luxusproblem, wenn einem die ganze Welt offen steht. Tatsächlich gab es keinen Kontinent, den ich nicht als nächstes Ziel in Betracht zog. Unschlüssig setzte ich mich an meinen Schreibtisch. Dort entstand eine lange Liste. Darauf setzte ich alle Punkte, die ich notwendig brauchte, um wieder in meine Mitte zu finden. Ich notierte alles, was mir für meine Tochter und mich wichtig ist.

Entscheidendes Kriterium war eine zuverlässige Kinderbetreuung. Ich habe physisch und psychisch keinen Spielraum mehr. Es ist Zeit, dass ich Unterstützung bei der Betreuung meiner Tochter bekomme. Zudem sind mir Freiheit, Gleichgesinnte, Gesundheit, Preis-/Leistung und leckeres Essen wichtig. Und jetzt rate Mal, wofür wir uns entschieden haben? Es geht zurück nach Bali!

Tatsächlich fliegen wir bereits am 23.3. nach Bangkok. Es sieht so aus, als würde der Flieger tatsächlich starten. Möglicherweise müssen wir uns bei Ankunft in Thailand einiger Tests unterziehen. Auch Quarantäne steht im Raum. Ich hoffe nicht, dass wir unter Quarantäne gestellt werden, aber nehme es in Kauf. Nach zwei Nächten in Bangkok geht es weiter nach Bali. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue.