Unser Alltag

Ein einziger Herzschlag

Der Blog Verflixter Alltag von Wiebke ruft im Februar zur Linkparty mit dem Thema „Mutterliebe“ auf. Ich sitze, nach einem langen Tag, am Küchentisch und genieße die Ruhe. Als ich das Thema „Mutterliebe“ lese, gehen meine Gedanken sofort auf eine Zeitreise…

Ein Jahr zuvor…

Langsam hatten Mr. Milega und ich die Nase voll von Kudle-Beach in Südindien. Mein Visum neigte sich dem Ende, also planten wir nach Thailand weiter zu reisen. Ein unbändiges Verlangen nach Fleisch und Fisch haben mich vom Vegetarier zum Fleischesser werden lassen. Ich wunderte mich…

Zwei Wochen später waren wir auf der Insel Koh Lanta in Thailand. Meine Brüste juckten extrem, ich dachte an Sandflöhe oder eine Lebensmittelunverträglichkeit. Hin und wieder dachte ich auch daran, dass meine Tage auf sich warten ließen. Aber bei meinem merkwürdigen Hormonhaushalt war das nichts Ungewöhnliches und schwanger werden konnte ich ja eigentlich nicht.

Zwei Wochen später brachte mich ein positver Schwangerschaftstest zum Heulen. Ich wollte reisen und Abenteuer erleben, mit der Familienplanung hatte ich längst abgeschlossen. Für mich kamen Kinder nicht in Frage!

Mr. Milega und ich beschlossen deshalb relativ schnell nach einer Abtreibungsklinik zu suchen. Gar nicht so einfach in Asien. Und von Tag zu Tag wurde eine kleine Stimme in meinem Kopf lauter, die Zweifel äußerte.

Ein einziger Herzschlag

23.2.2015

Wir sind auf dem Weg in eine Klinik ans Festland und wollen wegen der Abtreibung nachhören. Der Arzt untersucht mich – Ultraschall. Mega moderne Technik und ein hochtechnologisches Krankenhaus, da kann sich Deutschland noch eine Scheibe abschneiden!

Ein Beamer wirft das Bild eines winzigen, schlagenden Herzens an die Wand gegenüber von mir. Der Zellbatzen schaut aus wie ein kleines Nilpferd mit rasendem Herzen. Ich denke: „Es hat Angst, dass ich es töte“.
In diesem Augenblick verwandle ich mich in eine Löwin. Dieser Augenblick ändert alles. Ich höre sofort auf zu rauchen und trinken und ich kämpfe für meine Hippo.

Mr. Milega und ich kennen uns zu diesem Zeitpunkt gerade mal vier Monate. Er will keine Familie gründen, aber das spielt für mich keine Rolle mehr. Ich werde dieses kleine Nilpferdherz mit meinem Leben beschützen und notfalls alles dafür aufgeben. Entfachte Mutterliebe!

Wissenschaftlich gesehen entsteht Mutterliebe durch einen Hormoncocktail, der bei der Entbindung massiv ausgeschüttet wird. Hauptsächlich das Liebeshormon Oxytocin soll verantwortlich sein, dass eine Mutter ihr Kind liebt. Dieses Hormon wird auch beim Stillen produziert, weshalb Stillen für die Mutter-Kind-Bindung äußerst förderlich ist.

Jedenfalls mochte ich den wummernden Zellhaufen bereits beim ersten Ultraschall, da war noch kein Oxytocin im Spiel.

Die große Liebe

Während der Schwangerschaft faszinierte mich mein Baby und das, was es in und mit meinem Körper anstellte.

Natürlich machte ich mir Gedanken, ob ich mein Kind lieben würde. Ich wollte es ja ursprünglich gar nicht haben, und es hat meinen Traum vom endlosen Reisen „zerstört“.

Es gibt Faktoren, die einen das eigene Kind nicht lieben lassen, und sei es „nur“ eine postnatale Depression. Artikel zum brandheißen Thema „Regretting Motherhood“ verstörten mich. Hier berichten Mütter davon, dass sie es bereuen Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Das sind ganz normale Frauen! Ich hatte durchaus Bedenken, dass auch ich meine Hippo ablehnen könnte.

Bei der Entbindung  brachte mich mein Baby an die Grenzen.

Ich erinnere, als die Hebamme meine Hand zum Köpfchen führte und meinte, dass ich nur noch 2-3 Mal pressen müsste und ich hätte meine Tochter. Nie werde ich vergessen, wie sich dieses Köpfchen anfühlte und nie werde ich vergessen, dass ich dachte: „Ich bin noch nicht bereit!“.

Als Hippo geboren war, mochte ich sie sofort. Aber es war nicht gleich eine riesige, glückseelige Mutterliebe. Ich hatte das Gefühl, dass ich dieses winzige Wesen beschützen müsste. Es haute mich um, dass ich jetzt tatsächlich ein Baby hatte.

Die Mutterliebe, für die unter anderem der Hormoncocktail verantwortlich sein soll, wird nicht einzig durch chemische Prozesse gesteuert. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Mütter, denen die Kinder nach der Geburt entzogen wurden, überdurchschnittlich häufig ihre Kinder misshandeln. Für die Entwicklung einer tiefen, bedingungslosen Mutterliebe ist es deshalb wichtig, dass der Säugling viel Zeit mit der Mutter verbringt. Man muss sich erst kennenlernen, dann kommt auch die Liebe!

Mittlerweile ist es gängige Praxis, dass Babys die erste Stunde nach der Entbindung auf der Brust der Mutter liegen, um Kontakt aufbauen zu können. Weil meine Plazenta nicht abging, musste ich nach dieser ersten Stunde nochmal kurz in Narkose. Von da an war Hippo durchwegs bei mir und meinem Partner. Mr. Milega und ich hatten ein Familienzimmer im Krankenhaus und die kleine Maus lag von Anfang an in unserem Bett.

Mit jedem Tag wurde die Bindung und die Liebe zu meinem Kind größer. Hippo ist jetzt 18 Wochen alt, sie ist meine große Liebe. Ich verstehe jetzt, was Mutterliebe ist.

Wie fühlt sich Mutterliebe an?

Das ist sauschwer zu beschreiben.

Es ist manchmal ein ganz kleines, leises Gefühl. Und manchmal haut es mich fast um, und ich könnte losheulen. Ich fühle mich mit diesem kleinen Wesen verbundener als mit irgend einem anderen Menschen auf dieser Welt. Mir ist egal, was mit mir passiert, solange Hippo glücklich ist.

Selbst wenn ich müde und genervt bin, und auch mal mit Hippo schimpfe, so habe ich noch nie mit so viel Liebe mit jemandem gehadert. Ich glaube, dass Mutterliebe bedingungslos ist. Egal wie intelligent, hübsch oder süß so ein kleiner Zwerg ist, eine Mutter liebt. Selbst wenn niemand auf der Welt das Wunderbare in diesem Kind sieht, eine Mutter wird es tun.

Ich spreche hier jetzt als Mutter eines 4 Monate alten Babys – wie sich die Mutterliebe in der Pubertät entwickelt, wage ich nicht zu beurteilen.

Fazit Mutterliebe

Erwartet nicht, dass einen die Liebe zum Baby nach der Geburts übermannt. Bei mir hat es durchaus einige Wochen gedauert, bis sich das entwickelt hat, was ich heute als Mutterliebe bezeichne.

Macht Euch keine Sorgen, wenn Ihr Eure Gefühle nach der Entbindung nicht richtig einordnen könnt. Die Liebe muss erst wachsen. Aber solltet Ihr nach einigen Wochen das Gefühl der bedingungslosen Liebe nicht haben, dann lasst Euch helfen! Eine Depression oder sonstige Schwierigkeiten sind nichts wofür man sich schämen muss. Es gibt Hilfe und Unterstützung.

Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Zeit als Familie und ganz viel Liebe für Eure Zwerge!