Unser Alltag

Goodbye Deutschland – Rückblick 1. Monat

Heute war ich großer Dinge. Hippo ist um 19 Uhr (!!!) eingeschlafen und Mr. Milega gleich mit. Ich war vogelfrei und setzte mich sofort an den Laptop.

Goodbye Deutschland – der erste Monat

Arbeiten im Ausland

Ich habe Euch ja bereits erzählt, dass ich einige Aufträge als freiberufliche Texterin bekommen habe. Die retten uns gerade den Allerwertesten und machen mir gleichzeitig täglich mehr Spaß. Im letzten Monat habe ich 50 Texte für verschiedene Reiseveranstalter gezaubert und verkauft. Langsam werden sogar die deutsche Rechtschreibung und ich noch Freunde.

Jedenfalls sah ich mich, als das Kind schlief, die zwei ausstehenden Arbeiten über La Gomera abschließen und spätestens um 21 Uhr an Trippingtribe sitzen. Für die Zeit ab 23 Uhr oder Mitternacht hatte ich noch den irren Plan mit der Praxisaufgabe für meine Englischlehrer-Weiterbildung zu starten. Den Theorie-Teil habe ich diese Woche endlich abgeschlossen – 90,77% woooohoohooo. 

Ihr Mütter kennt sicher alle dieses berauschende Gefühl, wenn man eine oder zwei zusätzliche Stunden geschenkt bekommt, weil das Kind früher pennt, oder? Dann wisst Ihr sicher auch um das innerliche Zusammenzucken, verbunden mit Atemstillstand, Totenstarre und Stoßgebet, wenn Kiddo plötzlich raunzt und quakt. In seltenen, wunderbaren Fällen schlafen die Kids gleich wieder ein. Meistens nicht. Heute war meistens.

Mit Kind im Ausland

Zuerst war ich genervt und wütend, weil sich meine Pläne in alle Winde zerstreuen. Aber enttäuscht und verärgert zu sein hilft niemandem. Es macht die Stimmung nicht besser, es sorgt nicht dafür, dass Kiddo schneller wieder träumt. Einer der Gründe für die Entscheidung nach Indien zu gehen war, dass ich viel Zeit mit meinem Kind verbringen will. Ich will nicht morgens stressen müssen und jemanden anziehen, der eigentlich noch schlafen will. Es ist ein extremer Luxus, dass ich mir die Schreibarbeiten frei einteilen kann und wir davon leben können. Aber genau daran muss ich mich manchmal erinnern, so wie heute. 

Nachdem ich mich mal eben kurz selbst zur Brust genommen hatte, gingen wir Joghurt, Saft und Kekse am Kiosk gegenüber kaufen. Zurück in der Wohnung zündeten wir uns eine Kerze an. Der Strom war nämlich mal wieder ausgefallen. Auf dem kühlen Granitboden der Küche brotzeiteten wir im Flackerlicht. Anschließend gingen wir mit Stirnlampe bewaffnet auf Bröselsuche. Nachdem wir auch noch das Lieblingtierbuch durch hatten, schlief Hippo mit Bestlaune ein. Um kurz nach 22 Uhr – aber was solls. 

Die Artikel sind trotzdem fertig geschrieben und noch ein paar Mails dazu. Es ist jetzt 1:09 Uhr und ich kann endlich bloggen. 

Die wichtigsten Ereignisse der letzten Wochen

Eigentlich habe ich zwei große und interessante Themen im Kopf, die ich unbedingt mit Euch teilen will. Aber nicht nach Mitternacht. Nach Nulluhr schreibe ich nur noch übers Leben, während mir die Finger von Moskitos leer gesaugt werden. Achso, ich hab ja heute Mückenspray besorgt. 

So, Test des neuen Mückensprays läuft…

Um ehrlich zu sein, viel ist nicht passiert im ersten Monat in Indien. Es ist unwahrscheinlich heiß. Ich stehe auf warmes Tropenwetter, aber bei 43°C fühlt sich jeder Windhauch so an, als bliese einem ein heißer Föhn mitten ins Gesicht. Trotzdem geht es hoch her in Rishikesh und ein weißer Touristenjeep jagt den Nächsten. Wir sind also viel zuhause und gehen einmal am Tag raus – was essen, einen frisch gepressten Saft kaufen, sowas in der Art. 

Nebenbei schauen wir uns immer Mal wieder Wohnungen an, weil unser jetziges Nest einfach zu klein ist. Es gibt bei jeder Unterkunft Vor- und Nachteile, aber wir haben uns heute final entschieden.

Die Wohnung, die uns ein Freund angeboten hat, wird es werden. Sie ist für indische Verhältnisse riesig. Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, Bad und drei Dachterrassen werden uns zur Verfügung stehen. Ich schätze die Wohnfläche auf 45qm und die Dachterrassen werden gesamt 100qm haben. Im Erdgeschoss wohnen die Eigentümer. Um das Haus ist ein schöner, großer Garten angelegt und eine Mauer schützt das Anwesen. Wir sind wieder direkt am Ganges und hinter dem Haus läuft die kilometerlange Uferpromenade. Nachteil ist, dass auf der anderen Seite des Grundstücks die laute Hauptstraße vorbei zieht und wir mitten in der Innenstadt von Rishikesh sein werden – nicht mehr im idyllischen Touristenviertel. 

Dafür kostet der Luxustraum nur 120 Euro im Monat, inklusive aller Nebenkosten und voll möbliert. Und Hippo hat den tollen Garten, wo sie sich sicher bewegen kann. Mit unserem Motorrad sind wir in 15 Minuten in Tapovan, dort wo wir die meisten Bekannten haben. Und wir werden sogar Personal einstellen. Ich habe erfahren, dass man für 15 Euro im Monat eine Köchin anheuern kann, die auch noch zweimal täglich das Geschirr spült. 

Der Tipp kam von unserer Bekannten Sohee. Sie ist Koreanerin und mit einem renommierten Ayurveda-Arzt verheiratet, der sich im Augenblick in Deutschland (Bad Meinberg) befindet. Die kleine Tochter der Beiden ist sechs Wochen jünger als Hippo. Wir hatten letzte Woche mit ihr einen super Abend mit guten Gesprächen, glücklichen Kindern und leckerem Essen. Sohee wohnt nur zehn Minuten von unsere neuen Wohnung entfernt. Somit hat unsere Tochter eine tolle Spielkameradin. Auch das ein Grund, warum wir das Appartement nehmen.

Gute Nacht aus Indien

So, eigentlich wollte ich auch endlich mal meine Eltern anrufen, aber jetzt ist es fast 2 Uhr und ich falle beinahe vom Stuhl. Sorry Mama und Papa, ich werde mich am Wochenende melden, versprochen.

Danke Euch fürs Lesen und Zuhören.

Schlaft gut 

Eure Julia von Trippingtribe