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Grapefruitkernextrakt - die ganze Wahrheit
Gesundheit

Grapefruitkernextrakt – die ganze Wahrheit

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Am 14. März 2016 schrieb ich den Artikel  „Wundermittel Grapefruitkernextrakt“. Grapefruitkernextrakt (GKE) wird vor allem als natürliches Antibiotika angepriesen. Auch sein Einsatz als biologisches Reinigungs- und Pflanzenschutzmittel wird  in der Literatur hochgelobt. (Quellen: hier, hier und hier).

Bevor ich das Präparat bestellte, las ich Rezessionen von oben bis unten und entschied mich dann für Citricidal von higher nature, weil es das höchstkonzentrierte und angeblich wirkungsvollste Mittel sein soll.

Als Mundspülung und zum Desinfizieren von Zahnbürsten, Säuglingsfläschchen und Nucklern habe ich das Grapefruitkernextrakt bereits angewendet. Vor zwei Wochen dann mein erster Einsatz im medizinischen Bereich. Citircidal kurierte mich erfolgreich von einer eitrigen Mandelentzündung und zwar mit Lichtgeschwindigkeit. Das war mir den erneuten Post meines Artikels auf der Trippingtribe-Facebook-Seite wert.

Die Herausforderung folgte promt! Eine Leserin fragte mich, wieso Grapefruitkernextrakt nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sei, wenn es angeblich so toll ist, wie ich schreibe. Ich recherchierte kurz, fand einige positive, aber erklärungsbedürftige Resultate und antwortete leichtfertig dahin „[…] Im nächsten Blogpost werde ich ausführlich auf die Kritik eingehen und aufzeigen, warum bestimmte Grapefruitkernextrakte dennoch bedenkenfrei verwendet werden können […]“.

Was folgte war ein halbes Chemiestudium. Aber jetzt kenne ich die ganze Wahrheit!

Grapefruitkernextrakt – die ganze Wahrheit

Grapefruitkernextrakt ist nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen

Meine Leserin hatte mir in ihrem Kommentar einen Link geschickt, in dem erklärt wird, dass Grapefruikernextrakt in der EU nicht mehr als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen ist, weil viele Mittel Benzethoniumchlorid und Triclosan enthalten, wobei vor allem Benzethoniumchlorid als gesundheitsschädlich gilt.

Basis dieses EU-Entschlusses war eine Studie der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald, in der sechs unterschiedliche Grapefruitkernextrakte getestet wurden, von denen fünf sich als wirksam gegen verschiedene Bakterien erwiesen. Bei den fünf wirksamen Grapefruitkernextrakten fand man Benzethonumchlorid, in dreien davon außerdem Triclosan und Methylparabene. Beim einzigen Mittel ohne diese Zusätze konnte keinerlei antimikrobielle Wirkung nachgewiesen werden.

So weit, so gut. Und jetzt kommt die Gegenseite.

Die Gegenseite – pro Grapefruitkernextrakt (GKE)

Nun gibt es von den GKE-Verfechtern Reaktionen auf die Studie, die das negative Resultat erklären und entschärfen.

Jede einzelne Flasche Citricidal wird auf seine antimikrobielle Wirkung getestet. Unabhängige Labore haben bestätigt, dass Grapefruitkernextrakt wirkungsvoll gegen Bakterien, Pilze und Viren ist. Schädliche Chemikalien wurden nicht gefunden. Leider konnte ich diesen Test nirgendwo einsehen.

Die unterschiedlichen Testresultate seien verursacht durch:

  1. Unterschiedliche Testmethoden

  2. Chemikalien, die für den Test benutzt wurden und ein „Falsch Positiv“ verursachten

  3. Unterschiedliche Interpretationen der Testergebnisse, die zu einem „Falsch Positiv“ führten

  4. Unterschiedliche Backgrounds der Chemiker (organische und anorganische Chemie)

Der General Manager von Citricidal, Richard Perry, gab ein Interview, in dem er sich ausführlich rechtfertigte. Den genauen Herstellungsprozess durfte Perry leider nicht preisgeben, aber den MIC (Minimum inhibitory concentration)-Test, den sein Produkt durchläuft, konnte er in dem Interview offenlegen. Die Interessierten finden hier den MIC Test zum Nachlesen.

Der Wahrheit auf der Spur!

Sieht ganz so aus, als könnte man Grapefruitextrakt doch verwenden, oder? Nicht so voreilig, es geht noch weiter!

Die Studie der Ernst Moritz Arndt Universität ist nicht die Einzige, in welcher Benzethoniumchlorid, Triclosan und Methylparabene gefunden wurden. Auch das U.S. Departement of Agriculture konnte Benzethoniumchlorid nachweisen (hier zum Nachlesen), ebenso die Universität Innsbruck (hier) und die Universität von Mississippi (hier).

Natürlich könnte es sein, dass alle diese Fakultäten und Institute ein „false positive“ getestet haben. Deshalb lasst und doch einen genaueren Blick auf den MIC Test werfen!

Unter der chemischen Beschreibung von Grapefruitkernextrakt finden wir im MIC Test „Diphenol hydrobenzene“. Was ist das und ist das unbedenklich?

Diphenol Hydrobenzene

Häufig wird die Ähnlichkeit der Stoffe Diphenol Hydrobenzene und Benzethoniumchlorid als Ursache für die negativen Testergebnisse angeführt. Es läge quasi eine Verwechslung der beiden Stoffe vor. Was verbirgt sich denn hinter den Chemikalien und ist Diphenol Hydrobenzen unbedenklich?

Benzethoniumchlorid

Benzethoniumchlorid ist ein Stoff, der in der Kosmetik- und Pharmaindustrie als Desinfektionsmittel eingesetzt wird, weil er eine antimikrobielle Wirkung aufweist. In Deutschland ist dieser Stoff in der Lebensmittelindustrie nicht zugelassen.

Diphenol Hydrobenzene

So, jetzt mal aufmerksam lesen. In KEINER Chemie-Datenbank konnte ich den Stoff Diphenol Hydrobenzen finden (weder hier, hier noch hier). Auf dem Blog Chemical of the Day wird erläutert, dass die Hersteller von GKE keinerlei chemische Diagramme zu Diphenol Hydrobenzene veröffentlichen und, dass es diese auch sonst nirgendwo gibt, nicht einmal in Fachliteratur der anorganischen Chemie. Merkwürdig, merkwürdig, merkwürdig.

Die Wahrheit – meine Einschätzung

Bei meiner ganzen Recherche war es mein Anliegen die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von GKE nachzuweisen, aber die Beweislast ist erdrückend. Können sich die zahlreichen Studien der unterschiedlichen Universitäten irren? Wie Dr. Steve Humphries so schön sagt: „Wenn Sie glauben, dass eine ganze Reihe unabhängiger Universitäten in zahlreichen hochentwickelten Analysen alle falsch liegen, und alle versehentlich die exkat gleiche Chemikalie identifizieren, dann habe ich hier eine Brooklyn Brücke, die ich Ihnen verkaufen kann.“ (frei übersetzt von mir).

Ich frage mich außerdem, wieso die Studien mit den negativen Testergebnissen problemlos einzusehen sind, während ich die anderen Analysen nirgendwo finden kann? Und selbst, wenn es doch so ist, dass die gesamten Universitäten unrecht haben, wieso wird dann ein Stoff in der chemischen Beschreibung angegeben, der überhaupt nicht existiert?

Ich finde, das stinkt zum Himmel! Und so gerne ich alternative, biologische Mittel benutze, so gerne ich mich auf die Seite der kleinen Unternehmen gegen die Pharmaindustrie stelle, hier kann ich die Augen nicht mehr verschließen.

Wir werden zukünftig kein Grapefruitkernextrakt mehr zu medizinischen oder kosmetischen Zwecken verwenden, weil das wirksame GKE schädliche Chemikalien enthält und das Präparat ohne Chemikalien nicht wirkt.

Ich möchte mich bei allen Lesern entschuldigen, dass ich das Grapefruitkernextakt im März und vor zwei Wochen fälschlicherweise noch so angepriesen habe. Und vielen Dank liebe Leserin, dass Du mir den Stups in die richtige Richtung gegeben hast.

Hier könnt Ihr Euch das Mittel nochmal persönlich ansehen und unterschiedliche Kundenmeinungen sehen:


 

Meine Heldin der Recherche

Es war extrem aufwendig und schwierig an die ganzen Informationen zu kommen, bis ich eine unglaublichen tollen Artikel von einer Blogger-Kollegin aus den USA gefunden habe. Mommypotamus (scheint auch ein Hippo-Kind zu haben, bei dem Namen) ist eine Bank, wenn es um verlässliche Informationen und fundierte Recherche geht. Ich bin absolut begeistert von ihrem Blog und ihr Grapefruitkernextrakt-Artikel ist preisverdächtig. Ein Hoch auf Mommypotamus und die gesamte, extrem professionelle, amerikanische Bloggergemeinde. 

Bildquelle: Foto by Sonny Abesamis, created 16 September 2014, Titel und Hintergrund Hinzugefügt von trippingtribe.de

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