Digitales Nomadentum

Kindergeld auf Langzeitreise – 5 Must-Knows

KIndergeld auf Langzeitreisen – Die 5 Must-Knows

Falls Du überlegst mit einem Kind längere Zeit auf Reisen zu gehen, dann spielen bei der Organisation sowohl rechtliche als auch finanzielle Faktoren eine Rolle.  Eltern stehen unter gewissen Voraussetzungen Bezüge wie Elterngeld und Kindergeld zu, selbst wenn Sie sich längere Zeit im Ausland aufhalten.

Die wichtigsten Informationen zum Elterngeld erfährst Du hier. Nachdem ich lange keine Lust hatte mich durch den Paragrafendschungel zu wühlen, hat es sich heute richtig angefühlt. Deshalb kommen jetzt endlich die 5-Must-Knows zum Kindergeld.

Kindergeld auf Langzeitreise

Ich spreche hier explizit nur über den Kindergeldanspruch von deutschen Eltern, die für längere Zeit urlauben oder als digitale Nomaden im Rahmen einer freiberuflichen oder gewerblichen Tätigkeit arbeiten. Im Rahmen meines BWL-Studiums war zwar (Arbeits-)Recht einer meiner Schwerpunkte, allerdings bin ich kein Steuer- oder Sozialversicherungsexperte. Trotzdem möchte ich Euch gerne ein paar gut recherchierte und selbst erprobte Tipps an die Hand geben.

Neuer Lebensstil? Gesetzlich nicht vorgesehen.

Auch wenn immer mehr Menschen zur Lebensform des Nomadentums zurückkehren, ist es dem Gesetzgeber bisher noch nicht als notwendig erschienen konkrete Regelungen für diesen Lebensstil zu verabschieden. Ja, es wird sich beschwert, dass das Internet eine Oase ist, in der ein Milliardenumsatz nicht versteuert wird. Unternommen wurde bisher aber nicht viel dagegen, weil es immer noch keine eindeutigen Gesetze gibt.

Was hat das Kindergeld mit Steuern zu tun? Sehr viel!

1. Kindergeld ist eine Steuerentlastung

Missverständlich wird oft davon ausgegangen, dass das Kindergeld eine Leistung ist, die man für den Nachwuchs bekommt. Tatsächlich ist es allerdings eine Steuerentlastung für die Eltern. Sebastian Kühn erläutert die Details auf seinem Expertenblog wirelesslife.de sehr anschaulich und simpel.

Um eine Steuerentlastung zu erhalten, musst Du im Umkehrschluss zunächst einmal steuerpflichtig sein. 

2. Du musst unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland sein

Unbeschränkt steuerpflichtig sind  alle Personen,

  • Die in Deutschland ihren Wohnsitz haben oder sich hier gewöhnlich aufhalten
  • Die zu den Auslandsbediensteten der Bundesrepublik gehören bzw. deren Angehörige sind und aus einer öffentlichen Kasse entlohnt werden.

Falls Du nicht unter die beiden oben genannten Punkte fällst, kannst Du trotzdem unbeschränkt steuerpflichtig werden und zwar auf Antrag. Es lohnt sich einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht zu stellen, falls auf der Langzeitreise (>1 Jahr) mit Kind mindestens 90% Deiner Einkünfte der deutschen Einkommenssteuer unterliegen. Oder sich die ausländischen Einkünfte unter dem Freibetrag von 8.820 Euro bewegen. Hier sind auf jeden Fall nochmal die Doppelbesteuerungsabkommen zu prüfen. Chaos am Schreibtisch

3. Unter Umständen gilt auch eine beschränkte Steuerpflicht

Beschränkt steuerpflichtig ist, wer in Deutschland Einkünfte erzielt, aber weder einen Wohnsitz noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Stellst Du einen Antrag auf Kindergeld in Deutschland und bist beschränkt steuerpflichtig, kann das Kindergeld als Sozialleistung nach dem BKGG gezahlt werden.

Die Voraussetzungen dafür sind:

  • du bist entweder in Deutschland arbeitssuchend,
  • oder als Entwicklungshelfer oder Missionar tätig sein,
  • oder als Beamter eine bei einer Einrichtung außerhalb Deutschlands zugewiesene Tätigkeit ausüben,
  • oder als Ehegatte oder Lebenspartner eines NATO-Truppenmitglieds in Deutschland leben und die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) besitzen 
  • oder in Deutschland beschäftigt oder selbständig erwerbstätig sein oder Rente nach deutschen Rechtsvorschriften beziehen und in einem Mitgliedstaat der EU, des EWR beziehungsweise in der Schweiz leben.

Wenn einer der oben genannten Punkte auf Dich zutrifft, dann hast Du ziemlich sicher einen Anspruch auf Kindergeld. 

4. Du brauchst einen Wohnsitz in Deutschland

Einen Antrag auf Kindergeld können Eltern im Rahmen der unbeschränkten Steuerpflicht stellen, die entweder Ihren Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Das leidige Thema mit dem Wohnsitz oder dem gewöhnlichen Aufenthalt hatten wir auch schon beim Artikel zum Elterngeld. Hier geht es gesetzlich auch ziemlich schwammig zu, weshalb Dein zuständiges Finanzamt einen gewissen Auslegungsspielraum hat. 

Aus dem Merkblatt des Finanzamts Bonn-Innenstadt gehen eindeutige Regelungen zum Thema Wohnsitz hervor.
Ein Wohnsitz liegt zusammenfassend vor, wenn die Räumlichkeiten, die einem gehören zum dauerhaften Wohnen geeignet sind. Die Unterkunft muss den wirtschaftlichen Verhältnissen des Steuerpflichtigen entsprechen, d. h. ein Millionär mit Mini-Kellerwohnung wirkt unglaubwürdig. Es muss eine Grundausstattung wie Geschirr, Matratzen, Essbereich vorhanden sein, die jederzeit genutzt werden kann. Die Unterkunft muss Dir durch Eigentum oder Mietvertrag gehören und Du musst sie entweder ständig oder mit gewisser Regelmäßigkeit aufsuchen – die Zeitabstände dürfen dabei auch größer sein. Gemütlicher Platz mit Sessel

Kein Wohnsitz im Inland u.a. liegt vor bei:

  • Eine reine Post- oder Meldeadresse (BFH v. 14.11.1969)
  • „Alibiwohnung“ – leere angemietete Räume / Lagerräume
  • Eigenes Haus / Eigentumswohnung / Mietwohnung das/die für die Dauer des Auslandsaufenthalts
    (unter)vermietet wird (Haus/Wohnung kann nicht benutzt werden)
  • Übernachtungsmöglichkeiten in der Wohnung von Bekannten, Verwandten oder Arbeitskollegen
    z.B. Kinderzimmer bei den Eltern (BFH v. 24.10.1969)
  • Unentgeltlich überlassene Wohnräume von Bekannten oder Verwandten für den Zeitraum
    des Auslandsaufenthalts z.B. Einliegerwohnung bei den Eltern (u.a FG München v.
    01.08.2008), sofern keine Nutzung aufgrund eigenen Rechts (z.B. Überlassungsvertrag)
    erfolgt.

5. Oder einen gewöhnlichen Aufenthalt in der BRD

Den gewöhnlichen Aufenthalt hast Du in Deutschland, wenn Du Dich hier nicht nur vorübergehend aufhältst. Eine Wohnung oder ein eigenes Haus brauchst Du für einen gewöhnlichen Aufenthalt nicht. Auf der sicheren Seite bist Du, wenn Du mehr als sechs Monate im Jahr in der Bundesrepublik bist. 

Ich habe immer mal wieder von Ausnahmefällen gelesen, die trotz wesentlich weniger Zeit in Deutschland als gewöhnlicher Aufenthalt durchgingen. Aber das sind lediglich Ausnahmen, die einem kulanten Finanzbeamten zu verdanken sind. Frag bei Deiner zuständigen Behörde nach und freue Dich, falls es eine positivere Regelung als die mindestens 6 Monate gibt. 

Falls Dir kein Kindergeld zusteht

Falls sich herausstellen sollte, dass Du keinen Anspruch auf Kindergeld hast, dann lass Dich davon nicht von der Reise abhalten. Ich weiß, dass viele von Euch knapp bei Kasse sind und jeder Cent zählt. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es immer irgendwie geht. Ihr könnt in den ersten Monaten noch die Zahlung beziehen und sehen was sich unterwegs ergibt. Es funktioniert immer, wenn Du Deine Träume lebst, weil das Universum will, dass Du machst, wozu Du bestimmt bist. Wenn Du den inneren Ruf hörst, dann folge ihm. Mein momentanes Paradebeispiel ist die liebe Steffi von „frei leben, glücklich sein„, die ganz ohne Geld, aber dafür mit Kind um die Welt reist. Hut ab, liebe Steffi und danke für die Inspiration!

Viele Grüße von einer glückseeligen

Julia von Trippingtribe aus Bali