Ernährung

Macht Soja Krebs? Die ganze Wahrheit!

Macht Soja Krebs - die ganze Wahrheit. Pinterest Titelbild

Tofu und Seealgen auf weißen Tellern serviert. Auf Bali habe ich eine Sucht für Tempeh und Tofu entwickelt. Mir wird der Appetit allerdings etwas madig gemacht, weil ich immer wieder höre, dass der Konsum von Sojaprodukten schädlich sei. Er soll Brustkrebs verursachen, die Schilddrüse negativ beeinflussen und sogar die männlichen Föten im Mutterleib schädigen. 

Dann sehe ich die ganzen Asiatinnen hier und frage mich, ob sein kann, was nicht sein darf. Die Frauen auf Bali und in anderen Regionen Indonesiens wirken zum Großteil gesund und vital. Muss ich also auf meine tägliche Portion Tempeh und Tofu verzichten oder kann ich auch weiterhin genießen?

Soja gesund oder ein Risiko?

Mir raucht der Kopf vom Recherchieren. Es gibt gefühlt 100 Mio. Seiten im Internet, die sich mit dem gesundheitlichen Aspekt von Soja auseinandersetzen. Die Einen verteufeln die Milchindustrie, die anderen die Sojaproduzenten. Es sollen Studien verfälscht und Lügen verbreitet werden, um mehr Umsatz zu machen. Wo finden wir Konsumenten nun die Wahrheit? 

Zuerst einmal habe ich mich bei Bekannten und Kollegen umgehört. Dabei gab es Vertreter beider Lager. Mir wurde ein informatives und kurzweiliges Video weitergeleitet, das ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Der tolle Kurzfilm hat mich erstmal beruhigt und ich habe mir die nächsten Tage wieder meine leckeren Tempehschnitzel bestellt. Ein einziges Video als Beweisgrundlage für die gesundheitsfördernde Wirkung meiner Tofu-Diät heranzuziehen, ist sehr selbstgefällig. Auf Dauer kann ich mich nicht gut selbst belügen, deshalb habe ich mich auf den Hosenboden gesetzt und nachgehakt. 

Schön aufbereitet finde ich den Artikel „170 Scientific Studies Confirm the Dangers of Soy„, die ich einfach als Diskussionsgrundlage für meinen Blogpost übernehme. 

Die 4 größten Gefahren von Soja

1. Soja ist riskant für die Schilddrüse

Gemüsebowl mit TofuLaut einer japanischen Studie (Nippon Naibunpi Gakkai Zasshi 1991, 767: 622-629) von 1991 soll der Verzehr von 2 Teelöffeln Sojabohnen pro Tag über den Zeitraum von 3 Monaten zu Schilddrüsenunterfunktion geführt haben. Ehrlich gesagt finde ich es schon etwas merkwürdig, dass „The Healthy Home Economist“ in einem Artikel vom April 2017 eine 26 Jahre alte Studie herangezogen hat. Gibt es da keine neueren Belege? 

Doch, es gibt verschiedene wissenschaftliche Berichte neueren Datums, die darauf hinweisen, dass Soja schlecht für den Menschen ist. Diese Arbeiten wurden allerdings meistens an Tieren oder mit isolierten Isoflavonen aus der Sojabohne durchgeführt. Laut Medizin-Transparent.at ist der Sachverhalt deshalb nicht ausreichend erforscht. 

2. Soja beeinflusst den Hormonhaushalt

Hier wird im „170 scientific studies…“-Artikel wieder eine Studie aus den 1990er Jahren angeführt. Eine Aufnahme von 45mg Isoflavonen aus Soja, was etwa 1-2 Tassen Sojamilch entspricht, soll bereits nach einem Monat zu verzögerten Menstruationsblutungen führen. 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die Gefahren von isolierten Isoflavonen bestätigt. Isoflavone, die aus der Sojabohne extrahiert, hochwertig dosiert und als Nahrungsmittelergänzung angeboten werden, beeinträchtigen die Schilddrüsenfunktion und führen außerdem zur Veränderung von Brustdrüsengeweben (Hier das PDF der Auswertung). Es wird allerdings extra darauf hingewiesen, dass man in Sachen Gesundheitsrisiko zwischen der Aufnahme von isolierten Isoflavonen und natürlichen Isoflavonen der Sojabohne unterscheiden muss. Scheinbar gibt es auch hier wieder nur Vermutungen, dass Tempeh, Tofu und co. in natürlicher Form genossen, den Hormonhaushalt und somit die Regelblutung ins Wanken bringen könnten, fundierte Langzeitstudien existieren nicht. 

3. Soja erzeugt Brustkrebs

TofuschnitzelDie angeführten Studien stammen aus den Jahren 1995 und 2001. Im Bericht von 1995 (Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine 1995 Jan) lautet das Ergebnis, dass der Konsum von östrogenhaltigen Lebensmitteln das Wachstum von Brustdrüsengewebe stimuliert und deshalb zu Brustkrebs führen kann. Hier möchte ich der Fairness halber gerne erwähnen, dass Bier auch ein östrogenhaltiges Lebensmittel ist. 

Bei Annals of Pharmacotherapy vom September 2001 wird darüber informiert, dass die Soj-Isoflavone Genistein und Daidzein das Wachstum von vorhandenen Brustkrebszellen anregen sollen und somit die Aufnahme dieser Produkte von betroffenen Patientinnen zu vermeiden ist. Hierbei konnte ich nicht herausfinden, ob die Untersuchung an Tieren oder dem Menschen durchgeführt wurde und ob die Isoflavone dabei extrahiert gegeben wurden. 

Der Krebsinformationsdienst dagegen hat 2012 40 Studien ausgewertet (sowie im Jahr 2014 noch einmal ergänzt) und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Brustkrebspatientinnen weiterhin Sojaprodukte essen dürfen. Auch das „American Institute for Cancer Research“ spricht sich für den Verzehr von Sojaprodukten bei Krebspatientinnen aus, wenn sich der Konsum im normalen Bereich bewegt.

Was bedeutet das konkret? Es sollen höchstens zwei Portionen eines sojahaltigen Lebensmittels pro Tag gegessen werden. Als Portion gelten beispielsweise ein Viertelliter Sojamilch oder 85 Gramm Tofu oder gekochte Sojabohnen.

4. Soja ist schlecht für Schwangere und kleine Kinder

Babybauch einer SchwangerenIn Ihrem Blogpost behauptet die Healthyhomeeconomistin dann noch, dass Männer eher Prostatakrebs entwickeln, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Phytoöstrogene aus der Sojabohne aufgenommen hätten. Phytoöstrogene sind die sekundären Pflanzenteile zu denen u. a. Isoflavone gehören. 

Säuglinge, die mit Phytoöstrogenen oral in Kontakt kamen, sind laut dem Bericht von Environmental Health Perspective 2009 Dec;117(12):1883-9 einem höheren Risiko ausgesetzt Schäden an den Fortpflanzungsorganen zu erleiden. 

Das Bundeszentrum für Ernährung sieht für Schwangere kein Risiko beim Verzehr von Sojaprodukten (Quelle). In Bezug auf die Säuglingsernährung gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung den Rat auf eine reine Ernährung mit Milchersatzprodukten aus Soja zu verzichten, weil die Sachlage nicht eindeutig erforscht sei. Alle aussagekräftigen Studien sind bis dato an Tieren durchgeführt worden und die Ergebnisse lassen sich nicht 1 : 1 auf den Menschen übertragen. 

Soja essen – ja oder nein?

Tempeh und TofuIch habe mich dann noch durch die Seite westonaprice.org geackert, die zu den Effekten von Isoflavonen fast 200 Studien und Berichte zusammengefasst hat. Eindeutig zu erkennen ist, dass Isoflavone, die aus Soja gewonnen und hochkonzentriert verabreicht werden, nicht gesund sind. Davon sollten wir alle die Finger lassen. Es scheint sich der Verdacht zu bestätigen, dass fermentiertes Soja gesünder ist. 

Zum Abschluss meiner Recherche habe ich perfekterweise noch die beiden Ärzte Sarah und Dave von Mangos&Medicine getroffen, die mich in meinen Erkenntnissen bestärkt haben.

Mein Fazit lautet: Ich werde weiterhin Tempeh und Tofu essen und genießen. Insgesamt werde ich auf die Verzehrmenge und Zubereitungsmethode achten.

Wer jeden Tag einen Liter Sojamilch trinkt, Sojapudding schlemmt und Tofu isst, sollte sich darüber bewusste sein, dass die Menge das Gift macht. Die Beweislast über die ungesunde Wirkung der isolierten Isoflavone aus dem Soja ist so erdrückend, dass ich tatsächlich von großen Mengen Tofu und co. abrate. Andererseits denke ich, dass ein normaler Verzehr nicht so schlimm sein kann, weil sonst viel mehr Asiatinnen gesundheitliche Probleme hätten. 

Wie ist Eure Meinung bzw. Eure Philosophie zum Sojakonsum? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Liebe Grüße

Julia von Trippingtribe