Reisen

Müllprobleme in Indien

Ich trage lange Hosen bei 49°C im indischen Vormonsoon. Das hat zum einen etwas damit zu tun, dass ich mich gerne respektvoll kleide, zum anderen mit meinen Beinen. Ich möchte hier jetzt keine neuerliche Diskussion zu „Bodyshaming“ anstoßen. Das würde auch irgendwie nicht zum Titel passen. Was ich möchte, ist über die Müllproblematik in Indien sprechen.

Die Müllproblematik 

Auf meinen ersten beiden Indienreisen ist mir natürlich aufgefallen, dass öffentliche Mülleimer eine Rarität sind. Für mich ist es mittlerweile sogar ein Geruch nach Urlaub, Freiheit und Abenteuer, wenn mir der Rauch von verbrannten Abfällen in die Nase steigt. Wie oft sind wir auf unserer Motorradtour durch Indien an kleinen Feuerstellen aus kokelnden Plastiktüten und -flaschen vorbeigefahren. 

Indien ist aber bei Weitem nicht der einzige Schmutzfink. Auch auf Sumatra war es völlig selbstverständlich abends den täglichen Plastikabfall vorm Haus zu verbrennen – hilft gegen Mücken. Und die Batterien? Wirft man hinters Haus, weil ins Meer blöd ist. Dass der Trinkwasserbrunnen des Hauses möglicherweise verunreinigt wird, was solls. 

Der Tourist und seine Hinterlassenschaft

Solange ich von Guesthouse zu Guesthouse abgestiegen bin, war mir ehrlich gesagt völlig egal, was mit den Inhalten des Mülleimers passiert. Er wurde ausgeleert und damit war die Sache für mich erledigt. 

Aber bereits als wir im letzten Jahr für einige Monate ein Ferienhaus in Rishikesh gemietet hatten, bekamen unsere täglichen Hinterlassenschaften eine andere Bedeutung. Alles, was Bio war warfen wir einfach in den Bachlauf hinter dem Haus. Hier kamen täglich Tiere vorbei, die sich darüber freuten. In unregelmäßigen Abständen holten Menschen unseren Restmüll. Bis dahin mussten wir die Berge aus Plastikflaschen, Tüten und vor allem Windeln sicher verstauen. Ansonsten riecht das Zeug nicht nur, es lockt auch Tiere an. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber es ist kein schöner Anblick, wenn wilde Hunde mit einer Tüte benutzter Windeln spielen. 

Indien und seine Tiere

RasierhobelBereits in Deutschland habe ich mich im plastikreduzierten Leben versucht und bin dabei auf Rasierhobel gestoßen. Die guten, alten Nassrasierer für Herren, bei denen man lediglich ein kleines Rasierklingenplättchen auswechselt. Ich fand die total schick, aber sie waren mir zu teuer. 

Nun sind wir hier im indischen Supermarkt auf ein spottbilliges Modell gestoßen und ich wollte sofort zuschlagen. Dann setzte Mr. Milegas Spaßverderber-Gen ein. Er fragte scheinheilig, wie ich denn die Rasierklinge entsorgen wolle. Dumme Frage – im Restmüll halt. Und dann fing es auch schon an in meinem Kopf zu rattern.

Wir fahren auf dem Weg zum großen Markt immer an der Müllhalde vorbei. Da leben Kühe, Schweine, Hunde und Affen und fressen sich durch die Berge aus Abfällen. Der Geruch ist zu intensiv, um stehen zu bleiben und Fotos zu schießen. Ich überlasse es also Eurer Fantasie Euch auszumalen, wie es dort aussieht.

Was, wenn die Tiere meine Rasierklinge fressen? Selbst wenn ich sie mit irgendwas umwickle, wird die Magensäure den Mantel zerstören und im besten Fall nur einer Kuh schwere Verletzungen zufügen. Was wenn gar Müllkinder das Teil in die Finger bekommen? 

UND WAS MACHE ICH EIGENTLICH MIT DEM EINWEGRASIERER, DEN ICH BEREITS BENUTZE? 

Er liegt im Badezimmer unserer neuen Wohnung in Rishikesh. Stumpf und leicht rostig vertreibt er sich die Tage dort. Benutzen kann ich den nicht mehr, aber wohin damit? Ich bringe es auch noch nicht übers Herz einen neuen Rasierer auszupacken, damit würde ich das Problem nur noch verschlimmern. 

Aber weil ich – Ökohippie hin oder her – meinen behaarten Beinen einfach nichts abgewinnen kann, trage ich lange Hosen und ignoriere die Waden etc. Mal sehen, wie lange das gut geht. 

Die Lösung?

Habt Ihr vielleicht eine Idee, wie ich sicher das Gefahrgut entsorgen kann? Mit welchen natürlichen Mitteln gegen Körperbehaarung habt Ihr gute Erfahrungen gemacht? Sollte nichts zu Aufwendiges sein, ich habe Kind, Mann, Haushalt und Job.