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Ubud vs. Rishikesh – spirituelle Zentren im Vergleich

Ubud vs. Rishikesh - zwei spirituelle Zentren im Vergleich

Nach meinem ersten Monat in Ubud, auf der indonesischen Insel Bali, möchte ich mir erlauben Dir von den Unterschieden zu Rishikesh zu erzählen. Vielleicht planst Du gerade Deine nächste Reise und suchst nach einem Platz an dem Du Yoga praktizieren, Deine Energien aufladen und Gleichgesinnte treffen kannst. Spirituelle Zentren, in denen Du wachsen darfst und ausgezeichnete Lehrer findest, sind beide Orte. Dennoch gibt es massive Unterschiede. 

Ubud vs. Rishikesh

Natur und Klima

Gemeinsam ist beiden Orten, dass Du im Urlaub hier nicht am Meer bist. Allerdings ist Ubud nur rund eine Stunde Fahrzeit vom Indischen Ozean entfernte. Von Rishikesh bis zu Meer? Vergiss es einfach. 

Rishikesh – der Ganges und die Ashrams

Das Gangesufer in Rishikesh

Rishikesh liegt an den Füßen des Himalayagebirges mit grünen Bergen, großen Waldgebieten und einem relativ sauberen Ganges. Zahlreiche Wasserfälle bilden schöne Ausflugsziele in der näheren Umgebung. Das Klima ist extrem und schwankt von Minusgraden im Winter bis zu 50°C im Sommer. Mit massiv hoher Luftfeuchtigkeit in den Monsunmonaten zwischen Mitte Juli und September muss gerechnet werden. Am optimalsten reist Du Ende Februar und Mitte April oder Ende September und Ende November hier her. 

In Ubud sind Klima und Natur tropisch. Die Temperaturen pendeln sich das ganze Jahr im Schnitt um die 25°C ein. Dabei regnet es häufig, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Besonders niederschlagsreiche Monate sind Dezember bis März. 

Ubud ist ein sattgrünes Paradies mit dichtem Dschungel, Reisfeldern und duftenden Blüten. Genau wie in Rishikesh gibt es auch hier in der Umgebung zahlreiche Wasserfälle, die für Erfrischung sorgen. Die Affen, die Du in Rishikesh auf der berühmten

Affe in Ubud

Affe in Ubud

Laxman Jhula Brücke oder direkt auf Deinem Balkon hast, kannst Du Dir im Monkeyforest in Ubud gegen Eintritt anschauen.

In Rishikesh bist Du mit der Tierwelt viel stärker konfrontiert. Kühe, Pferde, Hunde, die genannten Affen sind überall auf den Straßen zu finden. In Ubud treffe ich täglich ein paar Hörnchen, Geckos, Frösche. Die extrem lästigen Mücken, die in Indien echt nerven können, sind zumindest im Juli und August in Ubud kaum vorhanden. Das mag sich aber in den Regenmonaten ändern. Giftige Schlangen, riesige Spinnen etc. gibt es sowohl auf Bali als auch in Indien. Zwischenfälle sind allerdings äußerst selten und betreffen eher Leute, die lange in diesen Orten verweilen. 

Verpflegung

Essen ist lebensnotwendig, behauptet zumindest der Großteil der Menschheit. Ich will gar nichts beschönigen, wer Wert auf gesunde, leckere und abwechslungsreiche Kost legt, der muss nach Ubud. Ich schlemme mich gerade von einem Lokal zu nächsten und erlebe zwischen gebratenem Tempeh, roh veganem Zitronenkuchen, Pasta Pomodoro und einer frischen Kokosnuss kulinarische Höhenflüge. Je länger ich auf Bali bin, desto länger wird meine List mit Lokalen und Speisen, die ich unbedingt noch auszuprobieren will. Meine derzeitigen Favoriten sind Lala&Lili, Café Vespa, Alchemy und Gelato Secrets. Ein echtes Eldorado für Gourmets mit dem Rishikesh einfach nicht mithalten kann. PUNKT. 

Wer sich vor Ort ganz oder teilweise selbst versorgt, der wird in Ubud nicht über sich hinaus wachsen. Es gibt Supermärkte, die mit denen in Deutschland zu vergleichen sind. Du kannst zudem Obst und Gemüse in kleinen Läden und auf dem Markt kaufen. Dank der vielen Biofarmen ist für eine gute Versorgung mit gesunden Zutaten gesorgt. Zugegeben, ich war in Ubud noch nicht auf dem Markt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein dunkles, feuchtes Gassengewirr aus selbstgezimmerten Verschlägen mit Foliendach ist, so wie der Main Market in Rishikesh.

Straßenessen Indien

Straßenessen in Indien

In Indien ist jeder Schritt eine Herausforderung. Jeder Meter ist mit Anstrengung und Unwegsamkeiten verbunden. Die Belohnung folgt immer – sei es das gute Gefühl wieder im sicheren Hotelzimmer zu sein oder irgendeine Begegnung, die Du nie wieder vergessen wirst. Mit weniger als dem Extrem gibt sich Rishikesh niemals zufrieden. Wer in Ruhe einkaufen gehen will, gerne ohne Herausforderung durchs fremde Sortiment stöbert und ohne jedes verdammte Mal bis ins Mark erschüttert wieder nach Hause zukommen, der darf sich auf Ubud freuen. 

Fast hätte ich es vergessen. In Rishikesh herrscht Alkohol- und Fleischverbot. Selbstverständlich kannst Du unter der Hand und in bestimmten Randgebieten beides bekommen, dennoch fällt es mir dort viel leichter von beidem fern zu bleiben. Wobei es nach vielen Jahren fast ohne Alkohol und Fleisch (außerhalb Deutschlands) eigentlich kein Thema mehr ist als trockener Vegetarier zu leben.
In Ubud wird sogar Rindfleisch angeboten, obwohl die Balinesen großteils Hindus sind. Das irritiert mich immer noch, ich habe dieses Phänomen allerdings bisher nicht genauer recherchiert. Außerdem kannst Du hier im Supermarkt, Kiosk und in den meisten Lokalen Bier und Wein bestellen. 

Komfort

Ja, dabei stinkt Rishikesh echt ab. In Ubud ist irgendwie alles gepflegt, liebevoll gestaltet und zum Wohlfühlen gemacht. Fast jedes Guesthouse, viele Häuser und Villen haben private Pools, die Straßen sind super, wenn auch nicht auf Autos ausgelegt. In Rishikesh geht kein Tag ohne Stromausfall vorbei, in Ubud hatte ich bisher keine Probleme damit. Ich vermute, dass es auf Bali auch kaum Unterkünfte ohne heißes Wasser gibt. In Indien ist es notwendig explizit nachzufragen, falls Du gerne warm duschst. 

Unser Garten in Ubud

Für mich zählt auch die Ruhe zum Komfort. Auf Bali wird kaum gehupt oder sonst irgendwie großartig Lärm gemacht. In Indien kannst Du die Sekunden, in denen die Natur zu hören ist, an einer Hand abzählen. Ich erinnere mich an eine Begebenheit als mein Mann und ich innehielten, weil plötzlich kein Hupen, Motorengeräusch oder Bassdröhnen zu hören war. Das ist in großen Teilen der indischen Stadt eine absolute Ausnahme und ein großes Geschenk. 

Der größere Komfort und Luxus auf Bali kostet allerdings auch. Ich denke, dass Du mit insgesamt 50% höheren Kosten rechnen darfst. Du kannst in Ubud Unmengen an Geld für Essen, Schlafen und Shoppen ausgeben, allerdings ist es auch möglich relativ günstig zu leben. Selbst das Essen und die Sauberkeit an den kleinsten Straßenständen sind nicht zu beanstanden. 

Spirituelles und Freizeit

Wer durch Rishikesh läuft wird fast Erschlagen von der Masse an Yogaschulen, Massageangeboten, Reiki, Ayurveda etc. In Ubud ist das Angebot auch umfangreich, aber die Straßen sind nicht so zugeballert mit Werbung wie in Rishikesh. Ich vermute einfach auch, dass auf Bali nicht Hinz und Kunz seine Dienste anbieten, sondern Großteils erfahrene Lehrer aus aller Welt.

Yoga FroschIn Indien muss man wirklich aufpassen. Gerade Neulinge fallen gerne einmal auf ein einheimisches Gesicht mit ordentlich Rauschebart, Malas und Räucherwerk herein. Es gibt großartige Lehrer in Rishikesh, die Wissen aus Generationen weitergeben. Indien ist die Wiege des Yoga und der Spiritualität. Die Mystik, das Geheimnisvolle, das Surreale Indiens fehlt in Ubud. Hier sind die Lehrer und Therapeuten fast ausschließlich aus dem Westen, was oft gar kein Nachteil ist. 

Wer als westlicher Tourist einem Ruf folgt und sich auf spirituelle Praxis spezialisiert ist oft erfahrener und weiser als der indische Rikshafahrer der mal eben auf Yogi umschult. Verstehe mich bitte nicht falsch, Indien hat wahrscheinlich die meisten echten Gurus und weisen Lehrer auf dieser Welt, aber bei der Masse an Menschen dort, ist es nicht immer leicht die Richtigen zu finden. 

Was mir neben der Sauberkeit und Ruhe besonders aufgefallen ist, ist der Tourist in Ubud. Reinen Tourismus gibt es in Rishikesh eigentlich nicht. Die Menschen kommen in der Regel aus einem gezielten Grund in die Yogahauptstadt der Welt. Sei es eine Ausbildung, Meditation am Ganges oder ein Ashrambesuch – es sind Suchende, die zu Füßen des Himalayas verzweifelt fragen und fast immer eine Antwort erhalten. 

In Ubud gibt es den Touristen. Der kommt nach Bali und schaut sich die Insel an. Dank Eat-Pray-Love und geschicktem Marketing kommt der Urlauber um die kleine Stadt Ubud nicht herum. Es wird geshoppt, eine Tanzshow angeschaut, die Reisfelder entlang gewandert und gegessen. Dann geht es weiter an den Strand oder sonst wo hin. Und dann gibt es da noch eine versteckte Szene. Die Leute, die auch hierherkommen um nach Antworten zu suchen. Kreative, gesundheitsbewusste, spannende Menschen, die versuchen sich zu entwickeln und abseits der Gesellschaft und einem 9-to-5-job zu leben. 

Fazit

Tänzerin auf Bali

Tänzerin auf Bali

Ganz ehrlich? Ich finde Du solltest Dir beide Orte anschauen. Wer wachgerüttelt, herausgefordert und transformiert werden will, wird das schneller in Rishikesh erleben, als auf Bali. Ratsam ist es auf jeden Fall erst nach Indien zu reisen und dann nach Indonesien. Ein Aufstieg was Komfort und Luxus anbelangt geht leichter als ein Abstieg. 

Ich liebe Rishikesh und bin dem Ort und seinen Menschen für unendlich vieles dankbar. Aber ich vermisse Indien zum ersten Mal nicht. Bali fließt gerade. Wie ein Schwamm sauge ich die positive, kreative Energie auf. Mit jedem Tag merke ich, dass ich exponentiell wachse. Ich hatte einen unglaublichen Drang hierher zu kommen, jetzt weiß ich, dass es richtig war zu folgen. 

Voller Liebe und Glückseligkeit,

Eure Julia von Trippingtribe

 

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