Reisen

Und tschüss Indien…

Und tschüss Indien... allein mit Kind nach Bali

Geschickt schlängelte sich Mr. Milega mit dem Motorrad durch das Verkehrschaos. Wir zwängten uns zwischen Rikschas und Autos durch. Nur knapp berührte unser Spiegel das verschrammte Fahrzeug neben uns. Dann parken wir auch schon in einer Lücke am Straßenrand der Hauptstraße von Tapovan. Hier, im Touristen- und Pilgerzentrum von Rishikesh, kaufen wir immer unsere Biolebensmittel ein.

Gerade als ich meine Beine auf den staubigen Grund setze, höre ich Mr. Milega wie wild hupen. Ich blicke auf, er winkt und ruft: „This guy is on my facebook.“ Ich denke: „Aha?!?“

Indien ist bald Geschichte

Da kommt ein kleiner, kauziger Gnom mit lockigem Rotschopf und langem Bart halb über die Straße gerannt, halb gehoppst. Ein Wortschwall mit derbstem Akzent erschlägt mich. Aber die lustigen Augen und die ausladende Gestik lassen mich dennoch am Gespräch der beiden Teilhaben.

Kurzum, es ging um Motorräder, die neusten Enfields und was Männer halt so reden.

Scott ist schuld.

Der Gnom ist Schotte, eigentlich ein Bilderbuchschotte, wäre er nicht zu dunkel gebrannt. Er sei gerade von einem Jahr Bali zurück und jetzt mit dem Bike gen Norden unterwegs – Wurzelbehandlung in Manali. Dort kennt er einen guten und günstigen Zahnarzt namens Pushkar. Aha?!?

Wir vier spazieren in Kewal´s „Organic Store“ und decken uns mit dem Notwendigsten ein. Scott redet ohne Punkt und Komma, zahlt und ist auch schon wieder weg. Und er fehlt uns.

Während Mr. Milega im Anschluss zu einem Termin fährt, gehen Hippo und ich spazieren. Ich mache mir Gedanken über Scott und mein Leben.

Wir wohnen in diesem wunderschönen Appartement im neuen Zentrum Rishikeshs, aber da gibt es keinen Scott. Niemanden gibt es da, der mich inspiriert und mich weiterbringt. Zu den Reisenden kommen wir kaum mehr, weil die Fahrt lange, anstrengend und heiß ist. Die paar Minuten, die ich den kauzigen Schotten gesehen habe, haben meine innere Energie völlig verändert. Mir wird klar, ich brauche ein anderes Umfeld.

Weg aus Indien aber wohin?

Nachdem ich sowieso schon mit der ganzen Gesundheitsproblematik Indien zu kämpfen hatte, stand für mich schnell fest, dass ich das Land wechseln wolle. Aber wohin und was tun?

Indien ist so günstig, dass ich mit meinen Aufträgen unsere Familie gut über die Runden bringe. Andere Länder sind vergleichsweise teuer oder verfügen über kein so gutes Internet, das ich aber zwingend zum Arbeiten brauche.

Indonesien kam mir schnell in den Kopf. Indonesien ist landschaftlich das schönste Land, das ich bisher gesehen habe. Das Meer ist türkisblau und kristallklar, die Strände ist traumhaft, die Menschen freundlich. Ich spreche ein bisschen Bahasa und habe immer noch viele Freunde und Bekannte in dem muslimischen Inselstaat.
Wie gerne würde ich zurück auf Pulau Weh, aber ich habe mich nach längerem, inneren Zwiegespräch doch dagegen entschieden. Erstens ist das Essen dort wieder nicht Bio, die medizinische Versorgung ist bedeutend schlechter als in Indien und mein (Ex-)Mann lebt dort. Ich will kein Chaos sähen oder für Unmut sorgen. Dort wurde ich nämlich offiziell nie geschieden, ähm…

Dann kam mir die Idee mit Bali. Dort wohnt seit drei Jahren eine Bekannte von mir, der es super gefällt. Außerdem gibt es einen Arsch voll digitaler Nomaden, Blogger und Start-up-Gründer, die auf der Ferieninsel leben. Scott kam auch gerade von dort. Beim Googlen nach Bioessen auf Bali stieß ich auf diverse Organicfarms, Bioläden und sogar einen Lieferservice für Biokost. Bingo!

Das liebe Geld beim Weltenbummeln

Nachdem ich mich schlau gemacht habe, stand für mich Bali als nächstes Ziel relativ schnell fest. Aber wie sollte ich das finanziell Schaffen mit Mann und Kind?

Ich bin jemand, der über Leichen geht, wenn er etwas erreichen will. Ich tue alles dafür meinen Dickkopf durchzusetzen. Aber hier sah ich wenig Möglichkeiten. Deshalb wurde die Stimmung schlechter und schlechter, bis Mr. Milega sagte, dass er in die USA will. Er sieht für sich nur dort eine Möglichkeit endlich wieder finanziell auf die Beine zu kommen und zum Familieneinkommen etwas beizutragen. 

Wer mich kennt, wird vermutlich wissen, dass USA ü-ber-haupt nicht meins ist. Zuerst fühlte ich mich sehr in die Ecke gedrängt, dann aber dachte ich an meinen letzten Blogartikel. Alles was ich über die Vereinigten Staaten weiß sind Vorurteile. Ich will also offenen Herzens und ohne Blockierung darüber nachdenken.

Das nächste Ziel

Unser Haus auf BaliWir haben uns also Gedanken gemacht. Und jetzt steht eine vorläufige Trennung der Familie fest. Mein Mann fliegt in seine Heimat, wo er vermutlich erstmal im Zelt leben muss, weil er dort nichts hat. (Update, er hat ein Jobangebot von seinem Ex-Boss) Wenn ich nichts sage, dann meine ich das genauso. Keine Unterkunft, kein Bankkonto, kein Auto, keine Krankenversicherung, keine Anlaufstelle. In die Kleinstadt, in der er die Jahre zuvor gelebt hat, will er nicht mehr zurück. Ich bin gespannt was er aus diesem Abenteuer macht, denn sobald er eine einigermaßen stabile Einkommensquelle und eine Unterkunft für uns hat, werden wir nachkommen. Und wenn ich von Unterkunft spreche, sehe ich ein Wohnmobil oder einen CAL-EARTH-DOME vor meinem inneren Auge.

Bis dahin wohnen Hippo und ich auf Bali. Wir werden jeden morgen auf unserer Terrasse mit Außenküche frühstücken. Anschließend erfrischen wir uns direkt im eigenen Pool. Nachdem die Kleine ihren Mittagsschlaf gemacht und ich gearbeitet habe, werden wir die Stadt Ubud erobern. Rohkostrestaurants, vegane Gerichte und indonesische Warungs warten sicherlich schon auf uns Beide. 

Hallo, Ihr Weltenbummler, digitalen Nomaden und Start-up-Gründer auf Bali, wir wollen Euch treffen und uns vernetzten. Wenn Ihr Kinder habt, dann umso besser. Wer Bock hat auf ein Treffen, der kann sich direkt über die Kommentare bzw. Facebook, Insta, Pinterest und den üblichen Verdächtigen melden. Ich freue mich 🙂