Unser Alltag

Wer ist der Vater?

Bei unserer Tochter Hippo stellte sich eine Frage nie: Wer ist der Vater?

Mr. Milega und ich verbrachten das letzte Jahr Tag und Nacht gemeinsam und somit war die Vaterschaft zweifellos. Oder nicht?

Wer ist der Vater?

Plötzlich und völlig unvermutet stand sie dann doch im Raum – die Frage nach dem Vater von Hippo. Es waren weder Freunde, Verwandte oder Bekannte die das Verwandtschaftsverhältnis anzweifelten. Es war der deutsche Staat.

Unglücklicherweise holte mich vor wenigen Wochen meine Vergangenheit ein – auf eine Art und Weise, wie ich es nie erwartet hätte. Im Februar 2013 habe ich auf einer kleinen Insel in Sumatra einen Indonesier geheiratet. Die Hochzeit war ein religiöser Segen, den ich nie in Deutschland anerkennen habe lassen.

Mr. Milega und ich wollen gerne heiraten und haben zur Sicherheit, bei der Anmeldung der Geburt unserer Tochter, beim Standesamt die Sache mit meiner Indonesien – Ehe mitgeteilt. Es stellte sich doch glatt heraus, dass diese Ehe hier gültig ist und geschieden werden muss. Soweit so gut, wenn auch unangenehm.

Der Ehemann ist der Vater!

Der Supergau brach dann los. In Deutschland ist automatisch der Ehemann Vater des Kindes – egal ob er biologischer Vater ist oder nicht. In meinem Fall bedeutet das, dass ein Indonesier, den ich seit 2,5 Jahren nicht gesehen habe als Vater meiner Tochter eingetragen werden soll. Ärgerlich genug! Um diesen Mann überhaupt eintragen zu können, benötige ich die Legalisation meiner Heiratsurkunde. Ein netter Kontakt bei der deutschen Botschaft sendete mir eine Liste amtlich beglaubigter Übersetzter, die auch die Legalisation übernehmen würden.

Ich brauche wahrscheinlich nicht zu erwähnen, dass der Mann in Indonesien Moslem ist und immer noch darauf wartet, dass ich zurück komme. Er gibt unsere „Liebe“ niemals auf und würde alles dafür tun, damit ich zurück komme.

Die Legalisation der Heiratsurkunde beim indonesischen Religions- und Justizministerium ist leider nur möglich, wenn man bei der Hochzeit ein Schreiben der Deutschen Botschaft hatte, das die Ehefähigkeit bestätigte. Hatte ich nicht – hat mich gefreut, weil ich dachte die Ehe sei dadurch nicht gültig. Aber die Ehe ist durchaus rechtskräftig, nur eine Legalisation kann ich ohne das Dokument nicht bekommen. Somit rückte die Geburtsurkunde für unsere Hippo in weite Ferne. Aber ohne Geburtsurkunde kein Kinder- und Elterngeld, keine Anmeldung bei der US-Botschaft, keinen Reisepass. Auch das Visum von Mr. Milega hängt von der Vaterschaft ab!

Ich habe jetzt noch genau einen Monat Zeit das alles gerade zu ziehen. Der Leiter der Rechts- und Konsularabteilung der deutschen Botschaft hat mir zumindest die Befreiung der Legalisation in Aussicht gestellt. Für die Scheidung habe ich jetzt eine Anwältin in Deutschland beauftragt. Die Vaterschaftsklage wird übers Jugendamt laufen, allerdings benötige ich dazu auch wieder eine Geburtsurkunde.

Meine größten Ängste sind aber eher die Einflussmöglichkeiten meines „Ehemannes“ in Indonesien. Kann er mir das Kind wegnehmen? In Indonesien hat der Vater nach dem Abstillen das alleinige Sorgerecht. Mädchen werden dort beschnitten und der Ex ist ein Verfechter der Beschneidung von Mädchen und Jungen. Kann er sich meine Hippo schnappen und ihr weh tun? Wie kann ich mein Kind und meine Beziehung schützen? Kann es sein dass Hippos´s biologischer Vater die EU verlassen muss, weil er nicht in der Geburtsurkunde steht? Obwohl es doch Mr. Milega ist, der beim Geburtsvorbereitungskurs dabei war, der mich durch die Entbindung begleitet hat und der Hippo jeden Tag ins Bett bringt.

Mir fehlen die Worte und ich erstarre fast vor Angst. Aber andererseits habe ich auch das Gefühl, dass sich bald alles regelt und wir dann unsere nächsten Schritte planen können.