Mutter sein
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Wie ist es Mutter zu sein?

Seit 4 Wochen bin ich Mutter der kleinen Hippo. Wir nennen sie Hippo, weil sie auf dem ersten Ultraschallbild ausgesehen hat wie ein kleines Nilpferdchen. 

Hippo ist wunderschön und zuckersüß – ich bin verliebt. Hippo kann aber auch mega brüllen, mit krebsrotem Kopf meine Kleidung vollkotzen und das mehrfach täglich!

Das war mir alles bereits klar, als ich schwanger war. Dennoch hatte ich irgendwie ein anderes Mutter-Bild im Kopf als die Realität ist. 

Wie ist es Mutter zu sein?

Ganz viele Frauen haben mir während der Schwangerschaft gesagt, dass ich nach der Entbindung so glücklich wäre, wie nie zu vor. FALSCH! Ich war schon viel glücklicher in meinem Leben und habe mich schon 100mal besser gefühlt.

Es gibt Schöneres für mich, als ein 3400 Gramm schweres Lebewesen durch meine Vagina zu pressen. Es gibt Schöneres für mich, als mir meine Brüste wund und blutig nuckeln zu lassen. Es gibt Schöneres für mich als nur 2-3 Stunden Schlaf am Stück zu bekommen, oder Windeln zu wechseln oder das Gebrüll zu ertragen. Und das Ganze mache ich ohne jegliche Gegenleistung, nicht mal ein Lächeln wird mir geschenkt.


Ich möchte Hippo nicht missen und ich tue alles dafür, dass es ihr gut geht und sie glücklich ist. ABER ich bin definitiv der Meinung, dass man ohne Kind einfacher glücklich ist als mit Kind. Ich habe mein Leben als Vagabundin geliebt, ich liebe das Reise und fremde Kulturen und das in den Tag hinein leben. Meine Erfüllung ist es die Welt zu entdecken und nicht Kinder zu haben. Ich verstehe die Frauen nicht, deren Lebenszweck es ist sich fortzupflanzen. Es ist ein spannendes Abenteuer – ja und es ist unglaublich, dass man einen anderen Menschen produziert. Ich bin der Meinung, dass ich eines der schönsten Lebewesen überhaupt geboren habe, aber das macht mich doch nicht super glücklich. Fehlt mir vielleicht ein Hormon, um dieses viel beschriebene Glück zu spüren? Oder kommt das erst nach ein paar Monaten? Stimmt mit mir irgendetwas nicht?

Zu allem Überfluss kam letztens auch noch von zwei unabhängigen Freunden der Satz: „Jetzt wo Du ein Baby hast, bist Du nie wieder allein!“. Was soll das? Für mich hört sich das nach der schlimmsten Drohung überhaupt an! Ich liebe es allein zu sein. Ich brauche es für mein seelisches Gleichgewicht, dass ich tage- und wochenlang alleine bin. Gut, seitdem ich wieder in einer Partnerschaft bin, habe ich weniger „Allein“- Phasen, aber dennoch sind sie vorhanden. Was ist am allein sein so schlimm, dass man es mit einem Baby vertreiben müsste? Und kann man nicht neben einem vor Schmerz schreienden Kind einsamer sein als jemals zu vor? 

Ich will das Muttersein hier nicht madig machen. Wenn ich für eine halbe Stunde mein Kind nicht sehe, dann fehlt sie mir. Ich könnte sie ständig knuddeln und anschauen, weil sie einfach so unglaublich süß ist. Es ist der schönste Anblick für mich, wenn beim Stillen satt ihr Köpfchen nach hinten gleitet, ihr die Milch aus dem Mundwinkel läuft und sie zufrieden schläft. Aber ich bin nicht der glücklichste Mensch auf der Welt wegen Hippo. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Eltern keine glücklicheren Menschen sind, weil die Liebe des Kindes sich mit den damit verbundenen Sorgen aufwiegt. Und das mag gut sein! Außerdem will ich endlich wieder Abenteuer erleben und Hippo die Welt zeigen. 

Das wird hoffentlich irgendwann kommen, wenn ich einige rechtliche Dinge geklärt habe. Momentan haben wir nämlich keine Geburtsurkunde für unsere Tochter und da ist auch noch einiges zu klären, bevor wir diese bekommen. Wenn etwas Licht ins Dunkel kommt und ich mich nicht mehr um die Sicherheit meiner Tochter sorgen muss, dann werde ich darüber berichten.

 

Wie fühlt Ihr Euch?

Kann mir jemand von Euch dieses seelige Mutterglück erklären? Wie ist es Euch mit einem wenige Wochen alten Säugling ergangen? Schreibt mir oder hinterlasst einen Kommentar – ich freue mich darüber!